Montag, 18. Mai 2015

[Interview] mit Peter Bunzel

Es ist mal wieder Zeit für ein Interview. Diesmal durfte ich Peter Bunzel mit Fragen löchern , der mit seinem Buch "Käpt'n August und der Mond aus Gold" sein Debüt herausgebracht hat, eine tolle Geschichte, die die eigene Fantasie anregt und für Groß und Klein lesenswert ist.



Hallo Peter, ich freue mich sehr, Sie heute interviewen und auf meinem Blog willkommen heißen zu dürfen. Würden Sie sich bitte kurz für diejenigen Leser, die Sie noch nicht kennen, vorstellen?

...und ich freue mich sehr, dass Sie sich die Zeit für dieses Interview nehmen! Sich vorzustellen, das ist ja immer so eine Sache! Ich versuche es einfach mal: Ein ganz normaler, junger, gut gelaunter und optimistischer Typ, würde ich sagen. Ich liebe Farben, Formen, Klänge und ich gehe für mein Leben gern spazieren. Nichts Ungewöhnliches also. Wenn da nicht mein Mitbewohner wäre. August. Eine Giraffe mit unendlich langem Hals. Voll mit kunterbunten Flecken. Aus einer anderen Dimension. Sie müssen wissen: August wohnt jetzt seit ein paar Monaten auf meiner Couch. Da kann´s schonmal krachen, schließlich habe ich eine kleine, beschauliche Wohnung und bin ein sehr ordentlicher Mensch. August ist da ganz anders. Regenbogengiraffen im Allgemeinen sind nicht gerade für ihre Liebe zum Frühjahrsputz bekannt. Naja, ich will nicht meckern. Im Moment ist der Gute zum Einkaufen. Zutaten für selbstgemachtes Erdbeereis. Nur aus Bananen und Erdbeeren - seine Lieblingsspeise! Vielleicht haben Sie Glück und August kommt heim, bevor das Interview vorüber ist.

Das klingt, als ob in Ihrer Wohnung Welten aufeinanderprallen. Ich kann August total gut verstehen: Ich mag auch keinen Frühjahrsputz! Hand auf's Herz: Wem gehört Ihre Couch wirklich? Als Hundebesitzerin habe ich da so eine Vermutung. 

Nun gut - ich geb´s zu: Es handelt sich nicht um eine Couch, sondern um einen Ohrensessel. Um einen sehr geräumigen, gemütlichen Ohrensessel. Gastfreundschaft wird bei mir groß geschrieben! Was Ihre Vermutung angeht: Ich mag Hunde sehr, aber selbst habe ich keinen. Auch keine Katze, obwohl ich auch die total klasse finde.

Wer eine Giraffe hat, braucht weder Hund noch Katze. Und dann auch noch so eine außergewöhnliche dazu. Ich denke, wir werden im Verlaufe des Interviews noch einmal auf August zurückkommen. Jetzt interessiert mich aber zunächst brennend das Thema "Formen und Klänge". Sie sagten nicht, Sie lieben Musik und Vierecke, sondern: Sie lieben Formen und Klänge. Könnten Sie mir das etwas genauer erkären, was es damit auf sich hat?

...als Hundebesitzerin gehen Sie bestimmt viel spazieren, nicht wahr? Dann dürfte Ihnen der Klang von Vogelgezwitscher sehr bekannt sein. Das ist einer meiner Lieblingsklänge! Vielleicht sogar mein Favorit. Auch ganz hoch im Kurs: Stille. Im Getümmel von Berlin schwer zu finden, aber ich habe Glück, denn meine Wohnung ist ziemlich ruhig gelegen. Laute Klänge mag ich auch, aber eher aus reinem Interesse. Damit meine ich übrigens nicht, dass ich nicht auch Musik sehr gern höre. Ganz im Gegenteil. Aber ich bin ein ziemliches Ohrentier und als solches liebe ich Formenvielfalt. Womit wir beim nächsten Punkt wären: Mir fällt es immer ein bisschen schwer, zwischen Klang und Form eine klare Grenze zu ziehen. Im Endeffekt eröffnet ja zum Beispiel ein Lied eine Art Klangraum. In dem dann Dinge geschehen. Links zuckelt´s und oben zirpt´s und rechts trommelt´s und unten brummt ein Bass - um es ein bisschen zu vereinfachen. Und wenn man das nun auf Sprache bezieht, die ja im Grunde auch irgendwo Klang ist, dann wird´s richtig spannend. Zusammengefasst: Ich finde, dass Sinneswahrnehmungen ein faszinierendes Thema sind und habe mir deshalb diese etwas offenere Definition überlegt.

Oh ja, Vogelgezwitscher liebe ich auch. Und auch das Bedürfnis nach Stille kann ich als Ex-Berlinerin nachvollziehen. Wie Sie das mit den Klängen in Verbindung mit den Formen beschreiben, klingt sehr faszinierend. Ich habe mir darüber noch nie Gedanken gemacht. Aber Sie haben es sogar geschafft, Ihre Wahrnehmung der Sinne in einem Buch zu beschreiben. Waren genau diese Wahrnehmungen der Grund für Ihr Buch?

Das würde ich so nicht sagen. Zuerst einmal gibt es nicht DEN Grund für mein Buch. Auch nicht DAS Thema. Der kleinste gemeinsame Nenner dürfte folgender sein: Ich möchte dem Leser einen Freiraum anbieten, der die Phantasie anregen und dazu einladen soll, das eigene Kopfkino in Gang zu bringen. Eine Spielwiese für die Vorstellungskraft. Dazu habe ich ganz unterschiedliche Ideen entwickelt, die auf verschiedenen Ebenen im Buch stecken und miteinander in Verbindung stehen. Eine neue Perspektive auf Sinneswahrnehmungen zu entwickeln ist schließlich nur ein Weg von vielen, die Phantasie zu aktivieren. Zumal ja jeder Mensch andere Vorlieben hat - ich habe versucht, alles so zu gestalten, dass für verschiedene Geschmäcker etwas dabei ist. Seien es Wortspielereien, der ungewöhnliche Humor, die Illustrationen oder, oder, oder! Alles nur Anregungen, Einladungen.

Ihr Buch "Käpt'n August und der Mond aus Gold" ist auf jeden Fall eine sehr gute Variante für Groß und Kleinere, die Fantasie beflügeln zu lassen. Sie haben Formen, Klänge und Farben quasi in einen Topf geworfen und lange und kräftig gerührt. Anschließend war nichts mehr so, wie wir es kennen. War das zunächst nicht auch ein (kleiner) Schock für Sie? Immerhin stellt Ihr Buch ja teilweise auch ein bisschen unser Weltbild auf den Kopf.

Mir macht es ganz im Gegenteil eine Menge Spaß, wenn die Dinge Kopf stehen. Von einem Schock würde ich deshalb auf keinen Fall sprechen, eher von einer Überraschung. Ich muss sagen, dass ich in manchen Situationen schon ein wenig darüber verwundert war, was unter den Bedingungen der Romanwelt, die ich ja selbst geschaffen hatte, plötzlich möglich wurde - aber dann habe ich eher gegrinst, als das es mich erschrocken hätte.

Eine Überraschung war es auch für mich. Überraschend und ganz erfrischend anders. Aber ich gebe zu, dass ich eine Weile gebraucht habe, um mich ganz in die neue Weltordnung einzufinden. Es ist eben nicht leicht, alte Gewohnheiten abzustreifen. Was mir immer noch ein bisschen Kopfzerbrechen bereitet: Fische und Schiffe haben ja ihre Buchstaben vertauscht. Jetzt gleiten Ihre Figuren mit Fischen über's Meer, treffen auf allerlei Arten von Schiffchen und Schiffen. Aber was genau ist eigentlich essbar? Werden die Fische oder die Schiffe gegessen?

...Genau das meinte ich, als ich sagte, dass mein Buch eine Einladung sein soll, die eigene Phantasie anzukurbeln. Ich liefere nur die Grundidee - eine "interessante Frage" wenn Sie so wollen. Die Antwort muss jeder für sich selbst finden. Nun, ich gebe Ihnen ein Beispiel: August und Co. schippern ja auf einem Piratenfisch über´s Meer. Am Anfang war das eher ein grobes Konzept, aber als ich dann mit dem Illustrieren begonnen habe, wurde es richtig interessant: Mir ist klar geworden, dass es eine lustige Idee wäre, wenn ein Piratenfisch keine fischigen Schuppen sondern holzige Planken hätte. Um auf Ihre Frage zurückzukommen: Mein Bauchgefühl sagt mir, dass eine Regenbogengiraffe kein Holz essen würde. Nichtmal dann, wenn es nur eine einzige Planke wäre, die mit selbstgemachtem Erdbeereis serviert würde. Aber ein Holzwurm oder ein Drachenfisch... der kann einem Piratenfisch durchaus gefährlich werden.

Giraffen würden wohl generell keinen Fisch essen, sie sind doch Vegetarier. Aber auch der Rest der Crew würde sich dann wohl eher keinen Fisch angeln. Apropos Crew: Ihre Figuren sind ja ebenfalls kunterbunt gemischt. Es gibt eigentlich nichts, was es nicht gibt. Und besonders angetan haben es mir die Pantoffelfaultierchen. Wie schwierig war es für Sie, die Charaktere zu beobachten und ihre Eigenschaften herauszuarbeiten?

In "Käpt'n August und der Mond aus Gold" stecken Ideen, die ich über eine sehr lange Zeitspanne hinweg gesammelt habe. Vielleicht kommt der kunterbunte Eindruck daher, dass demnach auch die Figuren in ganz unterschiedlichen Lebensabschnitten und damit unter verschiedensten Umständen geboren wurden. Das ist natürlich eine ganze Menge Arbeit gewesen, aber ich würde nicht sagen, dass es besonders schwierig war. Was wirklich schwierig sein kann, ist eher folgendes: Wenn Sie Jahre lang Ideen sammeln, dann sind da nicht nur Rohdiamanten dabei. Um ehrlich zu sein: Nur ein kleiner Anteil ist wirklich hochwertig - und manchmal schließt man eine Idee ins Herz, die objektiv betrachtet nicht mit den anderen mithalten kann. Das kann dann schon weh tun, wenn man sich von so einer Figur verabschieden muss und sie nicht mit den anderen ins Buch darf. 

Das stelle ich mir sehr schwer vor, wenn man im Laufe der Zeit Figuren entwickelt und dann feststellen muss, dass ihr Platz nicht in diesem Buch ist. In der Regel entwickeln sich die Figuren oft selbstständig im Verlauf der Geschichte weiter. Wie gehen Sie als "Vater" damit um? Schaffen die Figuren es, Sie zu überraschen und nehmen Sie sehr Anteil an deren Schicksale oder können Sie das aus der Distanz beobachten? 

Gute Frage. Ich hoffe, Sie können mit der Antwort etwas anfangen! Grundsätzlich: ich habe nicht einfach drauf losgeschrieben, sondern ich habe die Story zunächst komplett auf einem Karteikartensystem durchkomponiert. Erst als ich damit zufrieden war, habe ich mich an den Computer gesetzt. Das heißt, ich hatte zu diesem Zeitpunkt nicht nur einen vollständigen Überblick darüber, welche Aussagen ich treffen möchte und welche Bausteine ich dazu benötige, sondern ich wusste natürlich auch, welche Charakterentwicklungen notwendig sind, um die Message zu transportieren. Ein "selbstständiges Weiterentwickeln der Figuren" im Sinne einer Eigendynamik fand im späteren Schreibprozess daher in einem bereits sehr konkreten Rahmen statt. Überraschungen gab es für mich eher auf anderen Ebenen. Wie zum Beispiel in dem Moment, als ich (wie schon erwähnt) mit dem Illustrieren begonnen habe und sich dabei plötzlich ein ganz neuer Zugang zu meinen eigenen Ideen auftat.

Das ist für mich mal ein ganz anderer Einblick in die Arbeitsweise eines Autors. Ich finde es sehr faszinierend, wie unterschiedlich die Geschichten entstehen. Wie kann ich mir dieses Karteikartensystem vorstellen? Schreiben Sie einzelne Ideen auf und fügen diese dann wie ein Puzzle zusammen?

Ganz genau. Für mich hat dieses Vorgehen den Vorteil, dass ich absolut frei und flexibel arbeiten kann. Ich kann alles beliebig hin und her schieben, bis ich zufrieden bin. Wenn Sie an einem bestehenden Text etwas ändern möchten, dann ist das MINDESTENS ein kleiner Aufwand. Meistens ein Mittlerer und nicht selten ein Großer. Man könnte auch sagen: Ein Widerstand. Beim Arbeiten mit Karteikarten ist es ein Handgriff. Zack! Ebenso, wenn sich eine Idee als nicht funktional herausstellt. Dann kommt die Karte in den Papierkorb und fertig. Im Text hingegen hängen die Bausteine zusammen - etwas zu entfernen beeinflusst die anderen Komponenten somit viel stärker als bei losen Karteikarten. Ganz davon abgesehen, dass das Gefummel mit der Computermaus Zeit und Nerven frisst. Kurz: Meine Kreativität funktioniert am besten, wenn alle Widerstände aus dem Weg geräumt sind - und das kann zum Beispiel der Gedanke an die viele Arbeit sein, die eine kleine Änderung verursachen würde. Übrigens: Der vielleicht größte Vorteil ist, dass man auf diese Weise beim spazieren gehen arbeiten kann. Das kommt mir sehr entgegen, denn ich habe nicht nur gute Laune, sondern auch die besten Einfälle, wenn ich an der frischen Luft unterwegs bin.

Was inspiriert Sie sonst noch zum Schreiben? Also haben Sie bestimmte Rituale? Kommen die Ideen nur beim Spazieren? Oder im Gespräch mit anderen Leuten?

Ich gebe einfach mein Bestes, mit offenen Augen und mit offenem Herzen durch die Welt zu gehen :-)

Das klingt sehr entspannt. Wie kam es eigentlich, dass Sie nun August als Mitbewohner haben? Hat er nach seinem Abenteuer ein neues Zuhause gesucht, wo er sich ausruhen kann? 

...das ist (noch) geheim. :-) Im Moment ist alles noch ein wenig turbulent, denn für eine Regenbogengiraffe aus einer anderen Dimension ist der irdische Großstadtdschungel ja ganz unbekanntes Terrain. Aber wir haben uns kürzlich bei Grüntee und Erdbeereis darüber unterhalten, wie es wäre, ein neues Buch darüber zu schreiben. Ich will nicht zuviel versprechen, aber wer weiß...

Aber anscheinend fällt es August ja nicht so schwer, sich hier zurechtzufinden. Immerhin ist er Erdbeer- und Bananeneis einkaufen gegangen. Apropos: Wo bleibt er eigentlich? Stimmt es, dass August in die Zukunft sehen kann?

Höchstwahrscheinlich ist er noch schnell im Kasino vorbeigegangen! Das kann schonmal dauern. Um auf Ihre zweite Frage zu antworten: Natürlich stimmt es, dass er mit seinem unendlich langen Giraffenhals in die Zukunft schauen kann - aber keine Sorge, August ist ein total sozialer Typ - er gewinnt beim Roulette mit Absicht immer nur so viel, dass es für die nächste Miete, Leckereien und ein winziges Bisschen Bling-Bling reicht. 

Inwiefern hat sich Ihr Leben mit Augusts Einzug verändert?

Och, eigentlich durch die Bank weg im positiven Sinne! Zum Beispiel weiß ich nun immer schon 20 Minuten vorher, wann der Postbote kommt - unter der Dusche hervorgeklingelt werden, das gehört endlich der Vergangenheit an! Außerdem gibt es ganz oft bereits zum Frühstück Eiscréme - ohne Milch und Zucker, kurz: ohne Kugelbauch. Einfach abends Bananenscheiben einfrieren und morgens zusammen mit Beeren pürieren. Kleiner Geheimtipp. Das Wichtigste dürfte allerdings sein, dass endlich mein erstes Buch fertig ist. Ich schreibe schon ein paar Jahre, die meiste Zeit davon Gedichte und Kurzgeschichten - und ich hatte schon lange tierisch Lust darauf, endlich eine große Story zu schreiben.

Das klingt richtig toll. Wenn August einmal die weite Welt sehen möchte, dann findet er bei mir immer ein Bett! Wir waren ja schon einmal auf Ihr Buch zu sprechen gekommen, aber haben Sie vielleicht Lust, dieses noch einmal richtig den Lesern vorzustellen? Was erwartet ihn genau?

Eine rasante Handlung. Ungewöhnlicher Humor. Charaktere mit Herz & Verliebe-Potential. Abenteuerliche Illustrationen. Ein bisschen Philosophie, eine Prise Science Fiction. Das Buch ist so geschrieben, dass es jungen und älteren Lesern gleichermaßen Spaß bringen kann. Nach langem Hin und Her habe ich mir folgenden Slogan ausgedacht: "Der Kopfkino-Blockbuster für die ganze Familie. Durchgeknallt. Urkomisch. Sternhagelpeng." - natürlich kann man das Buch auch allein für sich lesen, aber ich denke, es bietet sich super an, ein kleines Event mit dem Freund, der Freundin oder der Familie draus zu machen. Ich würde mich sehr freuen, wenn ich mit der Geschichte dazu beitragen kann, dass Menschen miteinander Zeit beim Träumen verbringen. Schon allein der Slogan ist der Knaller!

"Sternhagelpeng" trifft einfach den Nagel auf den Kopf. Wie viel Mut brauchten Sie, um auf den Knopf zu drücken und Ihr Buch zu veröffentlichen? Fiel es Ihnen leicht, oder nagten auch an Ihnen manchmal böse Zweifel?

Eine sehr interessante Frage! Ich muss ein bisschen ausholen und hoffe, Sie gestatten: Ich habe mir im Laufe der Zeit angewöhnt, aus allen Umständen (also auch aus Emotionen mir selbst gegenüber) etwas Positives zu ziehen. Oft ist es einfach eine Perspektive, welche man irgendwann mehr oder weniger reflektiert eingenommen hat, die in einer bestimmten Situation verhindert, dass man weiterkommt. Eine meiner Grundregeln besteht ganz einfach darin, konsequent zu hinterfragen, ob das, was ich denke und fühle, nützlich für mich ist. Selbstzweifel zu empfinden wäre dies nicht. Nun ist aber "Zweifel" nicht etwas, dass man einfach so abstellen könnte, sondern eine komplexe Verkettung von Emotionen. Das heißt aber nicht, dass man dem "Zweifel" machtlos ausgeliefert ist. Zum Glück gibt es nämlich einen alten Trick, mit dem man auch aus Tendenzen, die auf den ersten Blick nutzlos erscheinen, etwas Positives zaubern kann. Dafür muss man einen kleinen Schritt zurücktreten, und zwar auf die Ebene, auf der man sich selbst zu seiner Emotion positionieren bzw. verhalten muss. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Sie haben die Formulierung "böse Zweifel" gewählt. Ich bin der Auffassung, dass der Zweifel allein durch die Verwendung des Wortes "böse" größer wird, als er tatsächlich ist. Das heißt, dass die damit verbundene Perspektive mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht objektiv ist, die Person in die Irre führt und schlimmer noch: der Chance beraubt, tiefer in den Zweifel hineinzublicken. Kurz: Worte haben Macht. Das heißt, dass ich grundsätzlich davon absehen würde, meine Emotionen in Schubladen einzusortieren. Vielleicht ist das, was sich wie "böse Zweifel" anfühlt ja viel eher "Knusper-Spannung" oder "Ni-Na-Neugier" - beides sind Perspektiven, die ich ebenso einnehmen könnte und die mir aller Wahrscheinlichkeit nach nützlich oder zumindest erheiternd wären. In diesem Sinne: Es war eine große Herausforderung das Buch zu veröffentlichen und ich würde sagen, dass es immer eine Menge Mut braucht, etwas völlig Neues Wirklichkeit werden zu lassen.

Sie haben völlig recht, ich sollte dringend an meiner Einstellung arbeiten: "böse Zweifel" klingen schon vom Grunde auf sehr negativ. Ich finde Ihre Einstellungen zum Leben wirklich sehr aufschlussreich. Sie inspirieren mich, neu über mein Leben nachzudenken und bewusstere Entscheidungen zu treffen. Ihrer Geschichte merkt man Ihre Ansichten auch an. Es gibt über vieles nachzudenken, aber vieles wirkt auch sehr leicht. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, es kann alles gelingen, wenn man nur fest daran glaubt. Nehmen Sie das Leben leicht?

Wieder eine sehr interessante Frage :-) Schön, dass Sie das so empfunden haben. Besonders freue ich mich zu hören, dass meine Geschichte Ihnen offenbar Mut zum Träumen machen konnte. Was meine Lebenseinstellung angeht... Ich würde mich selbst als relativ vielschichtigen Charakter beschreiben und es ist für mich ein großer Wunsch, "gegensätzliche" Persönlichkeitsanteile in Harmonie zu sehen. Das kann schonmal ein kleiner Balanceakt sein! Ein Beispiel wäre das Spektrum zwischen "das Leben leicht nehmen" und "das Leben ernst nehmen". Auf den ersten Blick ein klassischer Gegensatz, aber ich finde, dass wäre eine oberflächliche Perspektive. Im Gegenteil denke ich, dass man es mit Geduld und Phantasie durchaus schaffen kann, das Ganze so zu arrangieren, dass die unterschiedlichen Aspekte nicht nur jeweils ihren Platz bekommen, sondern dass sie sich gegenseitig beflügeln. Ein Freund zum Beispiel hat einmal gesagt, ich sei der ernsteste Mensch, den er kenne und er respektiere mich genau für diese Eigenart sehr. Und das lustige ist: Ich würde auch sagen, dass ich der ernsteste Mensch bin, den ich kenne. Natürlich würde ich Sie mit einem Augenzwinkern wissen lassen, dass Sie den Satz nicht allzu ernst nehmen sollten. Aber: Was mir am Herzen liegt, verfolge ich mit großer Konsequenz und Ausdauer. Zum Beispiel: Mir liegt es am Herzen, das Leben leicht zu nehmen. Und diesen Wunsch verfolge ich mit absoluter Ernsthaftigkeit: Ich nehme meinen Wunsch so ernst, dass mir keine andere Wahl als Leichtigkeit bleibt.  Anders ausgedrückt: Meine überdurchschnittliche Ernsthaftigkeit, ermöglicht es mir, eine ebenso überdurchschnittliche Leichtigkeit zu genießen. Das meine ich mit: Ein geduldiges, phantasievolles Arrangement, in dem augenscheinliche Gegensätze nicht nur ihren Platz haben, sondern einander beflügeln: Win-Win-Win.

Nun, Gegensätze müssen sich nicht immer ausschließen. Aber ich würde Ihnen gerne ein paar persönlichere Fragen stellen und bin sehr auf Ihre Antworten gespannt: Was mögen Sie lieber: Kaffee oder Tee?

Definitiv Tee. Am liebsten Pfefferminz oder Grünen. Allerdings hat Kaffee einen ganz besonderen Reiz, den ich früher sehr geschätzt habe - mittlerweile verzichte ich aber in 99,9% der Fälle darauf. Letztens auf einem Geburtstag habe ich mal eine Tasse getrunken.

Mögen Sie lieber die Berge oder das Meer?  

Das ist eine brutal schwere Frage, die ich Ihnen kaum beantworten kann. Ich versuche mich an einem Kompromiss: Ich würde sagen, das Meer berührt mich auf einer ganz anderen Ebene als die Berge. Das Meer auf einer eher emotionalen, die Berge auf einer eher geistigen Ebene. Ich glaube, ich müsste, um die Frage ehrlich zu beantworten, immer wieder neu entscheiden. Heute wären es vielleicht die Berge, aber ich denke, die Chancen stünden gut, dass es morgen oder spätestens übermorgen das Meer sein würde.

Ok, dann frage ich Sie morgen oder übermorgen noch einmal :-) Und wie entspannen Sie am besten?

Ich würde sagen beim Spazierengang. Aber da kommen mir oft gute Ideen und dann kann´s schon sein, dass ich auf den Zug aufspringe und die Entspannung Entspannung sein lasse. Das gleiche gilt für´s Musikhören.

Womit sich der Kreis schließt, dass Sie mit einem schelmischen Grinsen der ernsthafteste Mensch sind :-) Und welche Eissorte sagt Ihnen am meisten zu?

Um ehrlich zu sein: Ich esse sehr gern Eis. Von den herkömmlichen Sorten wahrscheinlich am liebsten Stracciatella. Aber das gönne ich mir so selten wie möglich. Nur, wie schon gesagt, es gibt auch hier einen alten Trick: Einfach eingefrorene Bananenscheiben pürieren. Ergibt eine cremige, süße Konsistenz. Total lecker! Das Plus gefrorene Erdbeeren ist unterm Strich mein Lieblingseis, ganz einfach aus dem Grund, dass es köstlich ist und man es prinzipiell jeden Tag zum Frühstück essen könnte und dabei sogar noch etwas für seine Gesundheit täte... Oha, da klingelt´s an der Tür. Moment, bitte! Schau einer an, wenn das nicht August ist! Na, alter Taschendieb - wie war´s im Kasino? Darf ich Dir Kata vorstellen? Von BuchKata-b-log. Das Interview! Kata, wenn Sie eine Frage an August haben: Jetzt wäre die Gelegenheit! *knallt eine Lidl-Tüte voll Pokerchips auf den Tisch*


Hallo August, das ist aber schön, dass wir uns auch noch kennen lernen dürfen. Es trifft sich gut, dass du noch zu uns stößt, wir sind nämlich fast fertig und ich möchte Peters Geduld und Zeit nicht länger beanspruchen. Darf ich dir eine Frage stellen? Was gefällt dir in unserer Welt am meisten? 

Fisch ahoj, Kata! Klarer Fall: Schiffstäbchen! :-)

In diesem Sinne: Fisch ahoj! Ich bedanke mich ganz herzlich für das Interview und Ihre Geduld und dass Sie mir so tapfer Rede und Antwort gestanden haben!

...und ich danke Ihnen für das tolle Interview und Ihr Interesse! Es hat mir wirklich Spaß gemacht, Ihre Frage zu beantworten! Ich wünsche Ihnen und den Lesern Ihres Blogs alles Gute! :-) 


Ich habe Peter übrigens noch einmal gefragt, was er heute lieber mag: Berge oder Meer :-) Seine Antwort lautete: "Am Samstag hätte ich mich für´s Meer entschieden, heute wieder für die Berge!"

Sein Buch "Käpt'n August und der Mond aus Gold" kann ich jedem ans Herz legen. Meine Meinung dazu könnt ihr hier noch einmal nachlesen. Lasst auch ihr euch zum Träumen inspirieren und lasst der Fantasie Flügel wachsen. Nähere Informationen wird ihr auch auf Peter Bunzels Website.

Ich hoffe, euch hat das Interview auch Spaß gemacht.




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