Donnerstag, 4. Juni 2015

[Blogtour - Hexenkinder ] Vom Mittelalter und den Hexen

Herzlich Willkommen zu Tag 4 der Blogtour 

"Hexenkinder" 
von Sabine Bürger.




Bisher habt ihr von Manja das Buch vorgestellt bekommen und habt nun einen Einblick, worum es in dieser Geschichte geht. Verena hat euch ein bisschen was zur Idee des Buches und den Hintergründen berichtet. Und Lena hat euch die Autorin selbst vorgestellt. Seid ihr bereit für eine kleine Reise in die Vergangenheit? Ich möchte euch heute nämlich in das Mittelalter mitnehmen und euch einen kleinen Einblick in das Leben von damals verschaffen:


Das Mittelalter umfasst eine ziemlich lange Zeit, nämlich das 6. bis 15. Jahrhundert. Die Menschen, die in dieser Zeit lebten, sahen sich natürlich nicht im Mittelalter leben. Für sie war es ein Zeitalter, das - vor allem im Glauben - den vorhergehenden Zeitaltern weit überlegen war. Für viele gilt das Mittelalter auch als "dunkles Zeitalter". Wenn wir an das Mittelalter denken, dann denken wir meistens an arme geschundene Menschen in zerlumpter Kleidung, die schlimmen Hunger litten. Aber dieses Bild wurde uns vor allem durch Filme über das Mittelalter in die Köpfe gesetzt. In Wirklichkeit war das Leben der niederen Bevölkerung weit weniger entbehrungsreich, als wir dies annehmen. Damals war der Fleischverbrauch pro Kopf im Durchschnitt siebenmal höher als in Mitteleuropa im 19. Jahrhundert. Selbst im Vergleich zu Beginn des 21. Jahrhunderts war der Verbrauch immer noch höher. Auch Bauern, die ihre Felder bestellten, hatten weit weniger Missernten als wir dies heute annehmen wollen. Natürlich gab es diese auch, aber es gibt keine Nachweise für eine permanente Hungersnot, vor allem im Hochmittelalter.

http://pixabay.com/de/

Was aber verbinden wir vor allem mit dem Mittelalter? Richtig: Hexenverfolgung und Hexenverbrennung. Interessanterweise war der Höhepunkt der Hexenverbrennungen jedoch nicht mehr im Mittelalter, sondern erst viel später, im 17. Jahrhundert. Aber im Mittelalter wurden die Grundsteine dafür gelegt und niemand, insbesondere Frauen und Mädchen, konnte sich sicher sein. Wie kam es eigentlich überhaupt dazu?

Von Anbeginn der Zeiten gibt es den Glauben der Menschen an Übernatürliches, so also auch den Glauben an Wesen, die mit Zauberei Schaden anrichten können. Schon zu diesem Zeitpunkt wurden vermeintliche Zauberer mit dem Tode bestraft. Allerdings gab es noch keine gezielten Verfolgungen. Im 3. Jahrhundert, also noch lange vor dem frühen Mittelalter, wurde die Zauberei noch insoweit gebilligt, als sie helfen konnte. Aber Zauber, die Schaden anrichteten, sogenannte Schadenszauber, standen unter Strafe und die Zauberer (damals sprach man noch nicht von Hexen) wurden bei lebendigem Leibe verbrannt. Bereits ein Jahrhundert später änderte sich dies und jegliche Zauberei wurde mit dem Tode bestraft. Interessant dabei ist, dass die Christen zu jener Zeit überhaupt nicht an die Wirksamkeit der Zauberei glaubten, aber den Versuch jeglicher Zauberei als teuflisch betrachteten.


Die Kirche war die herrschende Obrigkeit und Gesetz. Sie predigte, alles Böse fernzuhalten. Dazu zählte alles, was unbekannt war oder was auch nur im Entferntesten an Hexerei und Magie/ Zauberei erinnern könnte. Die fachkundigen Kräuterfrauen waren besonders gefährdet. Hieß es doch schnell, die Krankheit konnte nur mit Zauberei geheilt werden. Wer zaubern konnte, war mit dem Teufel im Bunde und musste vernichtet werden. Oft reichten haltlose Behauptungen schon aus, um als Hexe verschrien zu werden. Reiche Bürger, die zu geizig waren, um der Hebamme ihren Lohn zu zahlen, behaupteten einfach irgendetwas und schon war die arme Frau damit bereits zum Tode verurteilt. Aber auch Unglücke und Missernten wurden sehr gerne als Anlass für Beschuldigungen genommen.

Im frühen Mittelalter jedoch sprach sich die Kirche noch ausdrücklich gegen Lynchjustiz und Hexenverfolgung aus. Sie hatte auch gar kein Interesse an der Verfolgung und Bestrafung von Zauberern. Die Bevölkerung selbst war es, vor denen angebliche Hexen nicht mehr sicher sein konnten. Es kam lediglich zu vereinzelten Prozessen wegen Zauberei. Und nur im schlimmsten Fall endeten diese mit dem Tod des Zauberers. Meistens wurden den Zauberern Bußen auferlegt, manchmal wurden sie aus der Gemeinde ausgeschlossen. Das war eine harte Strafe, da dies einer sozialen Ächtung gleichkam. Die durch die Zauberei Geschädigten waren darauf bedacht, dass der Zauber rückgängig gemacht wird.  Gezielte Verfolgungen gab es jedoch noch immer nicht.

Erst ab dem 13. Jahrhundert verschärfte sich der Ton der Kirche gegenüber Hexen. Es schienen immer mehr Menschen der Magie zu verfallen und der Hexenglauben musste neu definiert werden. Der Begriff der Hexensekten kam auf, die es galt auszulöschen. Prediger und kirchliche Gelehrte wandelten das Bild der Zauberei in das einer Hexe, die mit dem Teufel im Bunde ist. Zahlreiche Schriften wurden dazu verfasst und die Bevölkerung fühlte sich zunehmend von den Hexen bedroht. In der Schweiz kam nun auch zum ersten Mal der Begriff der "Hexe" auf, der fortan übernommen wurde. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts stießen Inquisitoren in der Schweiz auf vermeintliche neue Sekten, den Hexensekten, denen der Prozess gemacht wurde. Auch die Bevölkerung begann, den Glauben an diese Hexensekten anzunehmen. Die ersten gezielten Verfolgungen begannen. Hauptsächlich ging dies zunächst von Bauern aus, die wegen Missernten die Hexen verantwortlich machten.

Die römische Inquisition verfolgte fortan sehr organisiert alle Hexen. Eigentlich war das Hauptziel der Inquisition die Verfolgung und Umkehr der Ketzer. Papst Alexander IV. selbst gab die Anweisung an die Inquisitoren, dass sie die Hexen nicht aktiv auf eigene Veranlassung zu verfolgen haben, sondern lediglich nach Anzeige. Hexenprozesse wurden sogar den Prozessen gegen die Ketzer hintenan gestellt. Für die römische Inquisition galt das jedoch nicht. Sie wütete unter den Hexen. Innerhalb weniger Jahre wurden zahlreiche Hexen zum Tode verurteilt. Heinrich Kramer, der berüchtigtste Inquisitor Oberdeutschlands verfasste die sogenannte "Hexenbulle", die vom damals amtierenden Papst Innozenz VIII. unterschrieben wurde. Damit bekannte sich die katholische Kirche zum ersten Mal direkt zu den Hexenverfolgungen und legalisierte diese. Nachdem ein Bischof von der Rechtmäßigkeit der "Hexenbulle" nicht überzeugt war und einen Hexenrozess scheitern lassen konnte, sah sich Kramer veranlasst, ein Buch zu schreiben, in dem er sehr detailliert die Verbrechen der Hexen und die Regeln für die Prozesse gegen diese beschrieb. Das Buch "Hexenhammer" erfreute sich leider immer größerer Beliebtheit in ganz Europa.

Ende des 15. Jahrhunderts gab es durch lange und harte Winter enorme Einbußen bei der Ernte. Epidemien kamen auf und verbreiteten sich wie ein Lauffeuer (vor allem die Pest). Große Teile der Bevölkerung fielen diesen zum Opfer. Natürlich wurden vorrangig die Hexen für dieses Übel verantwortlich gemacht. Die Hexenverfolgung wurde unbarmherzig weiter betrieben. Mehrere Tausend Menschen fanden auf dem Scheiterhaufen ihren Tod. Ca. um 1520 gab es wieder die ersten Gegner der Hexenverfolgung. Auch die spanische Inquisition lehnte dies ab. Die Verfolgungen nahmen ab. Leider nicht für lange. Schon ein paar Jahre später gab es durch erneute harte Winter eine große Hungersnot. Wieder wurden die Hexen dafür verantwortlich gemacht und wiederum begann eine schlimme Zeit für angebliche Hexen. In vielen Teilen Europas erlebten die Hexenprozesse ihren Höhepunkt zwischen 1570 und 1590. In Zentraleuropa wütete die Hetzjagd dagegen noch bis ca. 1635. Binnen knapp neun Jahren fanden mehr als 2000 Hinrichtungen statt. Auf ihrem Höhepunkt traf es dann nicht mehr nur die Frauen, sondern auch diejenigen, die sich gegen die Verbrennungen aussprachen.

1782 wurde in der Schweiz die letzte Hexe hingerichtet. Diese Hinrichtung empörte die Öffentlichkeit derart, dass die Rechtsprechung reformiert wurde. Es fanden sich nun keinerlei Magiedelikte mehr in den Gesetzestexten und die Hexenverfolgung fand endgültig ihr Ende. Man schätzt, dass 50.000 Menschen ums Leben gekommen sind, etwa 80 % davon waren Frauen


Hexenprobe 1878.jpg
Hexenprobe 1878“ von G. Franz - S. Alfing: Hexenjagd und Zaubereiprozesse in Münster. Waxmann Verlag, 1994 ISBN 3-893-25287-8. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons.


Schuld daran, dass es überhaupt soweit kommen konnte, waren häufig auch die fehlende Bildung bzw. bessere Bildung bei den Verfolgten. Menschen der niederen Stände, die lesen und schreiben konnten, waren nicht gern gesehen, galten als Außenseiter und jeder Grund war recht, sie aus dem Weg zu schaffen. Zudem steckten die Wissenschaften gerade erst in ihren Anfängen. Vieles konnten sich die Menschen damals nicht erklären. Auch das Unerklärliche wurde der Hexerei angedichtet. Sobald jemand der Hexerei bezichtigt wurde, gab es für ihn so gut wie keine Rettung mehr. Unter Folter, der sogenannten peinlichen Befragung, wurden die Opfer solange gequält, bis sie entweder gestanden oder an den Qualen zugrunde gingen. Eine beliebte Methode, wohl auch die bekannteste, war die Wasserprobe. Hierbei wurde die vermeintliche Hexe gefesselt ins Wasser geworfen. Ertrank sie, so war sie unschuldig, konnte sie sich jedoch befreien, so war sie schuldig und wurde auf dem Scheiterhaufen verbrannt. So oder so fanden diese Menschen einen qualvollen Tod.

Quelle: Wikipedia und Planet Wissen



Schaut morgen unbedingt bei Barbara vorbei, die euch die Epoche des zweiten Bandes näher bringen wird. Und am 06.06.2015 gibt es bei Silke ein tolles Protagonisten-Interview, das ihr euch nicht entgehen lassen solltet.




Ihr könnt auch natürlich etwas gewinnen:

Um das Print oder eines der e-books zu gewinnen, müsst ihr nur auf den teilnehmenden Blogs kommentieren. Manchmal auch eine Frage beantworten.

Je öfter ihr kommentiert, desto größer sind eure Chancen. 


Ihr habt Zeit bis zum 07.06.2015 um 18 Uhr, am folgenden Tag wird ausgelost.

Meine heutige Frage an euch lautet:

Unabhängig von der Hexenverfolgung: Würdet ihr gerne im Mittelalter leben wollen und warum?

Beantwortet die Frage einfach per Kommentar (in diesem Fall bitte unbedingt mit E-Mail-Adresse) oder schreibt mir eine E-Mail an katakat78@gmail.com.

Ich drücke euch allen die Daumen!


Teilnahmebedingungen:
Teilnahme ab 18 Jahren.
Keine Barauszahlung des Gewinns.
Kein Ersatz beim Verlust auf dem Postweg.
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.Persönliche Daten werden nur für das Gewinnspiel verwendet.
Gewinn nur möglich mit Postanschrift in Deutschland.
Gewinner werden per Mail benachrichtigt.

Kommentare:

  1. hallo, unabhängig von der hexenverfolgung ist mir die heutige zeit lieber. der grund? ist vielleicht blöd aber...es gibt ordentliche badezimmer. aber mal zubesuch ins mittelalter, ja, bestimmt. aber nur gucken. und dann zurück. :o)
    schönen tag noch.
    anja
    sina07ät web.de

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  2. Hallo ,

    Ich kann mir nicht vorstellen im Mittelalter zu leben weil
    ich hätte Angst auch verfolgt zu werden.
    Ich wünsche Dir schönen Tag :)

    Liebe Grüße Margareta Gebhardt
    margareta.gebhardt@gmx.de

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  3. Hallo,

    zum leben finde ich das Mittelalter wenig reizvoll. Da ist mir unser fortschrittlicheres Zeitalter lieber :)

    LG
    SaBine
    (kupfer-sabine@t-online.de)

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  4. Nein, würde ich nicht gerne, da das Leben damals sehr entbehrungsreich war und ich mein modernes Leben dafür zu toll finde.

    daniela.schiebeck@t-online.de

    Liebe Grüße,
    Daniela

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  5. Nein leben möchte ich nicht im Mittelalter. Die damaligen Verhältnisse waren nicht sehr hygienisch. Doch ich lese gerne historische Geschichten. Mein jetziges Zeitalter mit seinen Vorzügen möchte ich nicht mehr vermissen.
    skeller63@googlemail.com

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  6. Ich möchte auch lieber nicht im Mittelalter leben. Die Frauen wurden gerade in diesem Zeitalter früh verheiratet, unterdrückt und geschlagen und wurden oft nur als "Gebärmaschinen" angesehen.

    Ich möchte bitte nur für das Printbuch, also den ersten Platz, in den Lostopf springen, da ich keinen Ebook-Reader besitze.

    LG
    Jasmin B.

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